Leben mit Frauen

Personen: Frau Nr. 1, Tochter Nr. 1, Tochter Nr. 2, Mann von heute („P“)

Schauplatz ist die Küche eines 4-Personen-Haushalts, in der Frau Nr.1 und P gerade die Menüfolge für das anstehende Mittagessen besprechen.

Frau Nr. 1: P, besorge heute fürs Mittagessen bitte Fisch vom Wochenmarkt.

P: Gern. Forelle, Karpfen, Zander, Saibling oder Wels?

Frau Nr. 1: Fisch halt. Der ist gesund und macht nicht dick. Und nimm’ Nr. 1 und Nr. 2 zum Einkaufen mit!

P: Ok, wird gemacht. Zu den Kindern: Nr. 1, Nr. 2, Schuhe anziehen, wir fahren zum Markt!

Nr. 1, Nr. 2 kreischen begeistert auf und poltern wie verrückt in den Vorraum, wo sie ihre Schuhe anziehen, wobei Nr. 2 den linken Schuh auf den rechten Fuß und folgerichtig den rechten Schuh auf den linken Fuß pfropft. 

Auf dem Wochenmarkt – der Fischhändler keschert einen Fisch aus seiner gläsernen Zelle und bereitet ihn mit einem routinierten Handgriff auf seine Bestimmung vor.

Nr. 1: Papa?zwei frische forellen

P: Ja?

Nr. 1: Warum schlägt der Mann dem Fisch auf den Kopf?

P (überlegt kurz): Damit man ihn leichter nach Hause tragen kann. Da zappelt er nicht so, weißt du?

Nr. 1: Ach so.

Nr. 2 (aufgeregt): Fisch kabud, Fisch kabud – ka-bud!

P (zu Nr. 2): Aber nein, er schläft nur ein bisschen (Schnarchgeräusche imitierend) Chrr-chrrrr!

Nr. 2 lässt sich ablenken und schnarcht belustigt mit. Der Fischverkäufer übergibt dem Mann den Fisch in einem knisternden weißen Nylonsack, nimmt dankend sein Geld entgegen und nickt den Kindern zum Abschied ernst zu.  

Zurück in der Küche des 4-Personen-Haushalts, wo die Zubereitung des „schlafenden“ Fischs beginnt. 

Nr. 1: Wie geht’s dem Fisch jetzt?

P: Den Umständen entsprechend.

Nr. 1: Lebt er noch?

P: Ja, im Forellenhimmel.

Nr. 1: Und wo ist der Forellenhimmel?

P: Ganz in der Nähe vom Menschenhimmel.

Nr. 1 (unerbittlich): Und wo ist der Menschenhimmel?

P: Ganz weit weg.

Nr. 1: So weit wie Tirol?

P (das lange „i“ überbetonend): Noch viel weiter!

Nr. 1: Ok.

Sie schaut auf Zehenspitzen über den Rand des Küchenblocks und inspiziert die Vorgänge auf dem Schneidebrett.

Nr. 1: Und wieso hast du ihm den Kopf abgeschnitten, dem Fisch?

P: Damit er besser in die Pfanne passt.

Nr. 1: Wie ist denn der Fisch aus dem Wasser hierhergekommen?

P: Ein Fischer hat ihn gefangen – mit einer Angel.

Nr. 1: Ich fange auch einmal Fische – (gerät ins Schwärmen) mit Elsa-Stiefeln und einer ro-sa Angel!

P (amüsiert): Darauf freue ich mich jetzt schon.

Die Szene beginnt sich zuzuspitzen, als Frau Nr. 1 die Küche betritt.

Frau Nr. 1 (nach einem schnellen Blick in die Pfanne): Groß ist der aber nicht.

P: Du hast gesagt: „Besorg’ einen Fisch“, und ich habe Fisch besorgt.

Frau Nr. 1: Ich habe gemeint, „Besorge Fisch für uns alle und nicht für dich allein!“

P: Dieser Fisch plus Kartoffeln reicht locker für zwei Erwachsene. Die Kinder essen ihn ohnehin nicht! Allein schon wegen der Gräten.

Er lässt den kopflosen Fisch in ein Butterschwitzchen gleiten. Nr. 2 schiebt einen Tripp-Trapp-Stuhl an den Küchenblock und klettert in Windeseile zum Schauplatz des Bratvorgangs hoch. 

Nr. 2 (lauthals): Fisch ka-bud! Es-sen! Sie macht Beiß- und Kaugesten. Hmm, gut!

Frau Nr. 1 (nicht ohne Spott): Die essen ihn ohnehin nicht, wie? Von diesem Fischlein wird, so viel steht fest, nicht einmal Nr. 2 satt…

P (ruhig, aber angespannt): Wisst ihr was? Mir reicht’s: Ich fahr jetzt zum Chinesen und hole Ente süß-sauer, Acht Schätze und superfette Frühlingsrollen. Damit ja alle satt werden!

Nr. 1: Hurra, zum Chinesen! Ich komm’ mit!ente suess sauer

Nr. 2:  Schuh’ anziehen, Autofahren!

Nr. 1 und Nr. 2 stürzen voraus ins Auto.

Frau Nr. 1: Wie du dich immer gleich aufregst. Bleib’ doch einmal ruhig, das ist gesünder. So ein Sensibelchen!

P: Ich hab’ mich doch nicht im Geringsten aufgeregt.

Frau Nr. 1: Doch hast du!

P: Aber ich…

Frau Nr. 1: Aber ich was?

P:

Er steigt wortlos ins Auto, wo Nr. 1 und Nr. 2 schon ungeduldig warten. Dann fährt er zum Chinesen, der heute Ruhetag hat, aber davon weiß er noch nichts.