Ästhetische Entzauberung

Ein Trauerspiel in wenigen Sätzen

Minion not amused © not by Bloghaus

© not by Bloghaus

Nr. 1 beobachtet P. beim Abräumen des Frühstückstischs. Sie trägt einen Pyjama, der sich aus einem ärmellosen, weißen Shirt mit aufgedruckten Minionsfiguren und einer hellblauen kurzen Hose zusammensetzt. Ihr Mund ist nutellaverschmiert. Auch P. hat die Morgengarderobe noch nicht abgelegt. Seine bloßen Füße stecken in abgetragenen roten Pantoffeln, die vorne spitz zulaufen und in deren Rist ein (verblichenes) Wappen eingearbeitet ist. Dazu ein T-Shirt in Übergröße, das weit über die Hüften hinabreicht. Seine nackten, molkeweißen Beine erleuchten die Küche, in der er schlafwandlerisch herumhantiert.

Nr. 1 (zu Frau Nr. 1): Was ist denn das für ein rosa Fleck, in dem die Haare drinnenstecken?
Frau Nr. 1: Das, mein liebes Kind, nennt man Glatze.
Nr. 1 (wie eine Erkenntnistheoretikerin): Ah ja, Glatze! P. hat also eine Glatze.
Nr. 2 (hysterisch): Ja! Glatze, Glatze, Glatze!
P.: …

Daraufhin beißt Nr. 1 ungerührt in den Rest ihres Nutellabrots, während Frau Nr. 1 ein äußeres (und inneres) Lachen nicht unterdrücken kann. Nr. 2 tanzt ausgelassen eine rätselhafte, ganzkörperperformante Choreografie (womöglich einen Glatzentanz). Und P.? P. ist derweilen lautlos im Badezimmer verschwunden, wo er seine Kopfhaut mit einem koffeinhaltigen Präparat zu vitalisieren versucht.

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