Ball der Bälle

In einer Turnhalle nahe der Traun wird langjährigen Traditionen gemäß, Fasching gefeiert. Maskentechnisch ist alles vor Ort, was im öffentlichen Leben Rang und Namen hat: Wir begegnen Bertha von Suttner, die ein Kleid aus aufgenähten Tausend-Schilling-Scheinen trägt, ebenso wie Ludwig van Beethoven, in weißen Handschuhen, violettem Wams und mit einwandfrei ondulierter Perücke.

Neben zig anderen Kostümen befinden sich auch Werner Faymann, Michael Spindelegger und Norbert Hofer in der Menge. Spindelegger erkennt man an einer riesigen, weit aus dem Gesicht ragenden Gumminase, während der grau melierte Alias-Faymann in dunklem Anzug staatsmännisch winkt und mit gepresster Stimme allenthalben „Grüß Gott!“ ruft. Derweilen lächelt Norbert Hofer, einen rotweißrot lackierten Gehstock in der Rechten und ein Glas Bier in der Linken, breit in alle Richtungen. Seine minutiös aufgeföhnte Haartolle geht bei jedem Schritt mit und schwingt zurück.

Wir passieren die berüchtigte Gerätekammer der Turnhalle, in der bereits vor Mitternacht intensiv Zärtlichkeiten unter den erhitzten Narren ausgetauscht werden. Vorne auf der Bühne schmettert ein stark in Mitleidenschaft gezogener Fanfarenzug irgendeinen Höhepunkt des Abends ein, den viele bereits nicht mehr mitbekommen. Es ist ein rauschendes Fest. Zu später Stunde tritt plötzlich Ludwig van Beethoven auf den Plan und bekennt freimütig: „Ich gestehe, ich kann nicht mehr.“ Dann legt er sich an Ort und Stelle hin und schläft in der Sekunde ein. Faymann, Spindelegger und Hofer, selbst nicht mehr in Höchstform, helfen kurz zusammen und betten den Klassiker auf eine etwas weniger zentral gelegene Matte. Danach geben sie sich wieder den Festivitäten hin.
Wie man sich tags darauf unter den Narren erzählt, war niemand an diesem Abend als Norbert Hofer verkleidet gewesen. Die Maske des Mannes musste echt gewesen sein.

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