Gute Fahrt, Niki!

Ich bin einmal – ohne Scheiß – von Niki Lauda höchstpersönlich mit dem Auto so hergebrannt worden, dass ich beinahe weinend nach meiner Mama gerufen hätte. Ich, damals ein blasser Studiosus, verdiente mir ferial ein paar Kröten als Chauffeur bei Steyr-Daimler-Puch dazu.

Der Vorfall spielte sich nach einer AUA-Lauda-Air-Vorstandssitzung auf der Strecke von Baden nach Perchtoldsdorf ab: „Fau ma nu zum Heirign?“, hat der Niki damals gesagt. „I foahr eich vor.“ Was soll ich sagen? Es war Rush Hour, und der gute Niki ist mit geschätzten „zweieinhalb Kilo“ zunächst über die stark befahrene Bundesstraße und dann in einem fein gezirkelten Drift über den Autobahnzubringer auf die A2 gebrettert. Als ich bereits weit abgeschlagen auf der Brücke des Zubringers war, konnte ich gerade noch sehen, wie sein silberner Mercedes in unvorstellbarem Affentempo und im Zick-Zack-Kurs auf der freitagnachmittags extrem dicht befahrenen Südautobahn am Horizont verschwand.

Wie ich nach etwa eineinhalb Stunden beim betreffenden Heurigen eintraf (Navi gab’s noch keines in meiner Limousine), wo mein bonziger Interimsboss, der beim Niki mitgefahren war, bereits mächtig Schweinernes und Käse einschnitt, sagte eine spöttische Stimme unter einem roten Kapperl hervor: „Na, hamma di leicht a bisserl abg’hängt?”

Herzlichen Dank Niki Lauda für die unzähligen dramatischen Jugend- und Kindheitserinnerungen, und gute Fahrt auch weiterhin!

Pernauer Literaturtage 12.-13.10. 2018


Liebe Leute!

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass „Pernauer“ ein Anagramm zu „Peruaner“ ist…? Mir auch nicht. Trotzdem muss man ziemlich aufpassen beim Tippen, damit man die Leute, will man sie zu den Pernauer Literaturtagen einladen, nicht nach Südamerika, sondern in das „East Village“ von Wels schickt!

Wie dem auch sei, ich lese wieder, und zwar aus meinen eigenen fundamentalen Erzählungen, auf die leider niemand gewartet hat. Angesichts des gegenwärtigen Erfolgs der antieuropäischen Rechten habe ich mir überlegt, wie ich euch an einem beschaulichen Samstagvormittag hinter dem Ofen hervorlocken und zum persönlichen Erscheinen motivieren kann. Die Antwort ist einfach. Sie lautet – ihr habt es sicher gleich vermutet – „panem et circenses“ oder auch „Brot und Spiele“, ganz wie ihr wollt. Im konkreten Fall gibt’s halt kein Brot, sondern Würstel und Bier, und das in rauen Mengen und zum Spottpreis. Aber erst nach meinem Vortrag!

Diese gerissene Strategie habe ich mir von den Festzeltveranstaltungen der FPÖ abgeguckt. Die sind immer proppenvoll, auch wenn vorne noch so ein Blödsinn verzapft wird. Also muss es wohl am Essen liegen. Beim Inhalt tritt natürlich der Unterschied zwischen mir und denen zutage: Denn bei mir werden keine rechten Parolen, sondern höchstens erlesene Texte geschwungen, die jedenfalls Appetit auf mehr machen (womit wir wieder bei den Würsteln wären).

Der langen Rede kurzer Sinn (um am Ende noch eine Phrase einzuwirken): Wenn’s euch freut, dann kommt vorbei, am Samstag, 13.10. um 11.30 Uhr im Haus der Kinderfreunde in der Linzer Straße 126. Mir wäre es recht, wenn ihr da wärt, weil es immer ein bisschen traurig ist, wenn man unbesetzten Stühlen vorliest.

Übrigens, auch die anderen Programmpunkte können sich sehen lassen: Nach meiner bescheidenen Darbietung beginnt eine Weinverkostung vom Weinphilosophen Norbert Perkles, und um 17.00 Uhr liest niemand geringerer als Thomas Baum. Danach gibt’s noch etwas Live-Mucke mit Gitarrist und Sänger „Howie“ (sic!). Die Pernauer Literaturtage beginnen allerdings schon am Freitag – sonst wären sie ja keine Tage –, 12.10. mit einem Bücher(floh)markt und einem gediegenen Programm für Kinder.

Aber werft doch einfach einen Blick ins Programm, das ihr hier downloaden könnt.

Logo Pernauer Literaturtage

Der Schmerz zum Fenstertag

Ein Mikrodrama in 2 Akten über die Praxis der Arztpraxen in Österreich

Schauplätze sind unterschiedliche Facharztpraxen, die von ein- und demselben Anrufer, der offenbar substanzielle Schmerzen leidet, mit der Absicht kontaktiert werden, einen Termin für eine Untersuchung zu vereinbaren.

 

Erster Akt – Kassenärzte


Erster Anruf, erstes Telefonat

Der Überlastete

Das Telefon läutet ca. eine Minute lang. Dann meldet sich die „Warum immer ich?“-Stimme der Sprechstundenhilfe.

„Ordination Dr. Rantsig, hallo? Ja, es ist sehr viel los heute bei uns. Worum geht’s denn…?  Akut, sagen Sie – Schmerzen, aha. Ich verstehe. Jetzt hören Sie mir mal zu: Wir haben hier 10 Patienten vor Ihnen, die haben auch akute Schmerzen, sagen sie. Wie? Was heißt hier keine ausreichende medizinische Versorgung? Die medizinische Grundversorgung ist durch Ihren Hausarzt gegeben. Gehen Sie dorthin, da bekommen Sie eine Tablette. Und ansonst fahren’s eben in die Unfallambulanz! Hallo? Hm, aufgelegt – unerhört.“

 

Zweiter Anruf, zweites Telefonat

Die „Das Boot ist voll“-Praxis

Das Telefon läutet ca. eine halbe Minute, dann wird der Hörer kurz abgenommen und wieder aufgelegt. Beim zweiten Versuch kommt das Gespräch zustande.

„Ordination Dr. Hammer, Grüß Gott! Ja, aufgelegt – ein Versehen, tut mir leid. Ja korrekt, wir haben „alle Kassen“. Schon, aber wir nehmen keine Patienten mehr auf, leider. Gell? Sie haben akute Schmerzen…? Unerträglich?  Glaub‘ ich Ihnen. Dennoch, ich darf Sie…, ja ich verstehe, ich darf Sie trotzdem nicht annehmen. Wenn Sie es überhaupt nicht mehr… – bitte nicht in diesem Ton – also wenn Sie es…, wenn sie es überhaupt nicht mehr aushalten, dann versuchen Sie es bitte – bitte hören Sie mir zu – versuchen Sie es in der Unfallambulanz. Stimmt, einen besseren Rat habe ich nicht.“

 

Zweiter Akt – Wahlärzte


Erster Anruf, erster Autoresponder

Der Wählerischeanrufbeantworter-detewe-message-800-106-min

Der Anrufbeantworter des Primarius springt noch vor dem ersten Mal Läuten an.

„Primar Dr. Doldinger, guten Tag! Unser Telefon ist im Moment nicht besetzt. Termine werden ausschließlich zu den Ordinationszeiten, am Dienstag von 15.00 bis 16.00 Uhr und am Donnerstag von 16.30 bis 17.00 Uhr vergeben.“

Der Primarius ist kein Arzt für jedermann. Seine Dienste muss der Patient vom Grunde seines Herzens begehren, um ihn muss er sich ernsthaft bemühen, andernfalls hat er beim Doktor, der sich seine Moribunden aussuchen kann, nur wenig Terminvereinbarungsaussichten. Dafür bespricht jener das Band persönlich.

 

Zweiter Anruf, zweiter Autoresponder

Der „Fuck Hippokrates“-Doc

Vielsagende Kommunikationsstrategie eines Arztes, der es offenbar geschafft hat und für den Geld sowie auch alles andere (außer ihm selbst) keine Rolle mehr zu spielen scheint: Der Apparat gelobt mit der freundlichen Stimme des Doktors einen baldigen Rückruf, der allerdings nie stattfindet.

„Ordination Dr. Warzer, Grüß Gott! Bitte hinterlassen Sie uns Name und Telefonnummer, wir rufen Sie umgehend zurück.“

„Wer’s glaubt, wird selig!“, ließe sich bei dieser spaßigen Ansage noch fugenlos hinzufügen.

 

Dritter Anruf, dritter Autoresponder

Der Genussarzt und Freizeitenthusiast

Über den Anrufbeantworter, den der Doktor selbst besprochen hat, weht dem Patienten der Geruch von Sonnenöl, Meer und Motorbootabgasen ins Gehör. Die Kurzurlaubslust des höchstwahrscheinlich braun gebrannten Arztes ist in jeder Silbe spürbar.

„Ordination Dr. Valerius, Grüß‘ Sie Gott! Sie rufen außerhalb unserer Ordinationszeiten an. Ordinationszeiten sind von Mo – Mi von 09.00 – bis 16.00 Uhr, Donnerstag von 14.30 Uhr bis 18.00 Uhr und Freitag von 08.00 Uhr bis 11.00 Uhr. Übrigens: Diesen Donnerstag und Freitag bleibt unsere Ordination geschlossen ebenso wie am kommenden Montag und Dienstag. Ein schönes verlängertes Wochenende!“

 

Vierter Anruf, erstes Telefonat

Der menschliche Anrufbeantworter

Der Doktor hat die rangniedrigste seiner Rezeptionsgehilfinnen zum Journaldienst verpflichtet, damit auch während seiner Abwesenheit stets ein Hauch von Menschlichkeit durch die leere Praxis geistert.

„Ordination Oberarzt Dr. Markus Matthias. Hallo? Schmerzen, sagen Sie. Aha? Und akut auch noch! Puh, das tut mir leid. Aber ich kann Ihnen da nicht helfen. Der Herr Doktor ist heute nämlich nicht da. Ich hab‘ nur Telefondienst. Wie…? So wie ein menschlicher Anrufbeantworter, sagen Sie? Ja, stimmt irgendwie, [kichert] hihihi. Haben Sie es eigentlich schon mit der Unfallambulanz versucht?“

Herbstmarkt


Auf dem Welser Wochenmarkt herrscht geschäftiges Treiben. An der zugigen Ecke im Außenbereich, unter deren Überdachung der Fischhändler seines Amtes waltet, haucht gerade eine Bachforelle nach einem gezielten Hieb ihr Leben aus. Schräg vis-à-vis werden von bedächtig bedienenden Mädchen zum Anbeißen schöne Himbeeren verkauft. „Serwas, grias di!“, tönt es allenthalben hin und „Grias di, serwas!“ wieder zurück. Der Welser ist gut drauf, na und die Welserin erst recht. Die Most-, Bier und Getränkestände in der Halle sind folgerichtig bestens besucht, und bei den unterschiedlichen Fleisch- und Gemüsehändlern wird lautstark fürs Wochenende eingekauft.

„G’herts ehs zamm?“, kreischt eine tonnenförmige Hühnerteileverkäuferin in weißer Schürze zwei Männern (offenbar Vater und Sohn) zu, während sie ihnen die Ware ausfolgt. „Na, ehs hobts jo kan Besen dabei!“, gibt sie selbst die Antwort und bricht in ein kirrendes Gelächter aus, das im Umkreis von 20 Metern zu hören ist.

An einem langgestreckten Stand, hinter dem in appetitlich drapierten Schütten Gemüse angeboten wird, gähnt eine in der Schlange wartende Frau Anfang vierzig. „Halten Sie denn nie die Hand vor?“, wird sie von einem Mann hinter ihr angesprochen. Die Frau erschrickt heftig und bekommt einen knallroten Kopf. „Jetzt bin i erledigt!“, klagt sie, als sie den Mann erkennt. „Jetzt kumm’ i sicher in Ihr’ Kolumne, und a rote Birn’ hob i a nu dazu – furchtboar!“ Der Mann, ein hiesiger Gesellschaftsredakteur, beschwichtigt: „Ich bitt’ Sie, über so etwas schreibe ich doch nicht!“ Beide lachen und verabschieden sich. Ein paar Meter weiter beim Moststand Meier zückt der Redakteur dann tatsächlich ein Büchlein, in das er verstohlen Notizen macht.

Der Anruf


Joe Bacher sitzt an seinem Schreibtisch in der Welser Zweigstelle einer Versicherung und arbeitet gemächlich vor sich hin. Vor ihm ein großer Computer-Bildschirm, der den Joe fast vollständig verdeckt. Hinter ihm ein Radiogerät, aus dem man einen aufgekratzten Ö3-Moderator und seinen weiblichen Sidekick dahinschnattern hört. Der Joe will gerade Kaffeepause machen, da läutet sein Mobiltelefon, auf dem eine ihm unbekannte Nummer erscheint.

Joe (auf das Sprechsymbol tippend): Hallo?
Anrufer (getragen, mit tiefer Stimme): Ser-was.
Joe: Wer spricht denn bitte?
Anrufer (nach einer kurzen Pause): Da Bernd.
Joe: Welcher Bernd denn?
Bernd (extrem langsam gesprochen): Da Wehofer.
Joe (erfreut): Servus Bernd!
Bernd: Serwas.
Joe: Was gibt’s?
Bernd (verzögert): Du…?
Joe: Ja?
Bernd (nach einer neuerlichen Pause): Wer spricht denn dort?
Joe (lacht): Na ich, der Joe!
Bernd (unverzüglich und laut, aber weiterhin langsam): Jo eh, oba wöcherna? I hob zwoa Joes bei mir eing’speichert, beide ohne Nochnaum’.
Joe (kopschüttelnd): Na, der Bacher Joe!
Bernd (mit einer unendlichen Ruhe): Aha, dann kenn’ i mi aus.
Joe: Gibt’s sonst nu wos?
Bernd: Na. Pfiati. Man hört ein Klicken in der Leitung.
Joe: Na dann, serwas! Legt ebenfalls auf.

Im Radio kündigt der Moderator ein Telefon-Gewinnspiel an („Jetzt anrufen, nach der Werbung ist es wieder so weit!“), aber der drehbare Stuhl vom Joe ist leer und sein Besitzer längst in der Kaffeeküche verschwunden.

Der Weg der Kistensau – Insiderinformation


An alle Kornspeicheraspirantinnen und -anten des 18. März! Der überregional anerkannte Populärgitarrist Günther (Gü Tarre) Reiter wird entgegen ursprünglicher Ankündigungen dieses Mal nicht an seinem Stamminstrument, der „Gütarre“, sondern vollumfänglich tremolierend an der Mandoline zu sehen sein. Die Fachwelt und wir halten schon jetzt den Atem an. Rasch Tickets sichern!

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Ginger Baker – der Mann hat überlebt


Ein harter Hund in jeder Hinsicht
Wenn Ginger Baker, Ex-Schlagzeuger von The Cream, ein Interview gibt, dann tut er das hauptsächlich wegen „der Kohle“, wie er selbst sagt. Lust hat er im Grunde keine. Baker ist – wider Erwarten und für seine Umstände – alt geworden, er hat alles erlebt und überlebt und scheint bei diesem Auftritt wunderbar zugedröhnt zu sein.
Entsprechend warm muss sich der diensthabende Moderator anziehen, der die schwere Prüfung auf sich genommen hat, Ginger Baker ein paar Antworten zu entlocken.

Das folgende Live-Interview Weiterlesen →

Die Fünf Freunde und das Wundervibraphon


Wir sind hocherfreut, eine weitere Sensation in der Fünf-Freunde-Forschung bekanntgeben zu dürfen! Kurz nach dem Auftachen des ersten Teils (Die fünf Freunde – der Film) ist nun auch der der zweite Teil der berühmten „Dualogie“  wiederentdeckt worden – angeblich im Zuge eines Dachbodenausbaus im oberösterreichischen Wels.

Das hoch artifizielle Werk, „Die fünf Freunde und das Wundervibraphon“ kreist um das Entwicklungsmotiv: Es handelt von Liebe, Hass, Trennung und Wiedererneuerung und kann sowohl als naturwissenschaftliche als auch als humanistische Parabel verstanden werden. Man kann es freilich auch für bare Münze nehmen.

Film ab!


Die Fünf Freunde – der Film


Sensationsfund in Oberösterreich: Längst verloren geglaubtes Footage-Material der legendären New-Age-Band „Die Fünf Freunde“ ist wieder aufgetaucht! Dabei handelt es sich um den ersten von zwei preisgekrönten Kurzfilmen, die in den 1990er-Jahren entstanden und heute als Zeitdokumente dieser Epoche gelten. Er wurde der Bloghaus-Redaktion von einem Szene-Insider mit der Bitte um Veröffentlichung zugespielt. Dieser Bitte kommen wir gerne nach.

„Die Fünf Freunde – der Film“, heißt der erste Teil der tatsächlichen Fünf-Freunde-Reihe. Er berichtet in gleichnishafter Form vom Leben der Bandmitglieder, ihrer Rettung und ihrem Durchbruch. Jetzt aber genug der Worte! Wir wünschen gute Unterhaltung beim Film.

(Demnächst auf diesem Sender: „Die Fünf Freunde und das Wundervibraphon“)