Der Anruf

Joe Bacher sitzt an seinem Schreibtisch in der Welser Zweigstelle einer Versicherung und arbeitet gemächlich vor sich hin. Vor ihm ein großer Computer-Bildschirm, der den Joe fast vollständig verdeckt. Hinter ihm ein Radiogerät, aus dem man einen aufgekratzten Ö3-Moderator und seinen weiblichen Sidekick dahinschnattern hört. Der Joe will gerade Kaffeepause machen, da läutet sein Mobiltelefon, auf dem eine ihm unbekannte Nummer erscheint.

Joe (auf das Sprechsymbol tippend): Hallo?
Anrufer (getragen, mit tiefer Stimme): Ser-was.
Joe: Wer spricht denn bitte?
Anrufer (nach einer kurzen Pause): Da Bernd.
Joe: Welcher Bernd denn?
Bernd (extrem langsam gesprochen): Da Wehofer.
Joe (erfreut): Servus Bernd!
Bernd: Serwas.
Joe: Was gibt’s?
Bernd (verzögert): Du…?
Joe: Ja?
Bernd (nach einer neuerlichen Pause): Wer spricht denn dort?
Joe (lacht): Na ich, der Joe!
Bernd (unverzüglich und laut, aber weiterhin langsam): Jo eh, oba wöcherna? I hob zwoa Joes bei mir eing’speichert, beide ohne Nochnaum’.
Joe (kopschüttelnd): Na, der Bacher Joe!
Bernd (mit einer unendlichen Ruhe): Aha, dann kenn’ i mi aus.
Joe: Gibt’s sonst nu wos?
Bernd: Na. Pfiati. Man hört ein Klicken in der Leitung.
Joe: Na dann, serwas! Legt ebenfalls auf.

Im Radio kündigt der Moderator ein Telefon-Gewinnspiel an („Jetzt anrufen, nach der Werbung ist es wieder so weit!“), aber der drehbare Stuhl vom Joe ist leer und sein Besitzer längst in der Kaffeeküche verschwunden.

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