Der Chevalier im Sierra

San’ Sie behindert?“, ruft es aus einem dunkelblauen Ford Sierra von der anderen Straßenseite herüber, als ich meinen Wagen abgestellt habe. Nein, meines Wissens nicht – wie er denn darauf komme, möchte ich wissen. Das Seitenfenster des Sierra, das zunächst nur einen Spalt geöffnet war, öffnet sich jetzt ganz.

Zum Vorschein kommt ein alter Chevalier mit rotbraunem Toupet, gleißend weißem Zahnersatz und einem knusprig gebräunten Faltengesicht. „Es kommt mir aber schon so vor, als hätten’s ein Problem!“, fährt der Alte unbeirrt fort. Was er denn eigentlich wolle, was das alles solle und ob er womöglich selbst an einem Defekt leide, verliere ich eine Sekunde lang die Beherrschung. „Sie san’ offenboar ein Witzbold!“, ätzt der Verwitterte. Die Autoschlange hinter ihm hupt bereits wie verrückt, aber das überhört er einfach: „Waun’s lesen kinnan, werdn’s feststellen, dass Sie auf ahn Behindertenplarkplotz stengan“, deutet der Sierra-Pilot auf einen Wald aus Zusatztafeln unterhalb des Verbotszeichens, vor dem tatsächlich mein Auto parkt. „Weil Sie net ausschauen, wie jemand mit einer Behinderung, deswegen wollt’ i nochfrogn.“

Ich solle ruhig stehenbleiben, wenn ich 380 Euro zu viel übrig hätte, weil so viel koste der Spaß inkl. Anzeige nämlich, das gehe hier in Linz nämlich ruckizucki, insbesondere wenn man so wie ich ein Welser Kennzeichen habe. „So, und jetzt schleichen’s Ihna“, endet der Chevalier, während er das Fenster wieder hochkurbelt. Gleich darauf öffnet er es noch einmal: „Bedanken brauchen’s ihna net, des geht aufs Haus. I wollt’ nur freundlich sein. Pfiat Gott!“ Dann hustet der Sierra mitsamt dem Chevalier davon.

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