Die Bild iphone App und der Dornröschenschlaf der anderen
Wo sind die mobilen Applikationen der Qualitätsblätter? Immerhin reden wir hier über die Märkte von morgen.
Während die berüchtigte “Bild” jüngst eine blatteigene “iphone App” herausgebracht hat und freilich überaus heftig die Werbetrommel dafür rührt, arbeitet man sich etwa in den Redaktionen der ZEIT noch an datenschutzrechtlichen Fragen ab. Angesichts der gegenwärtigen Krise am Print- und Anzeigenmarkt bleibt zu hoffen, dass die “Guten” bei der Weiterentwicklung der Kommunikationskanäle mit den “Bunten” Schritt halten. Andernfalls droht in nicht ferner Zukunft ein kapitaler Katzenjammer.
Es gibt ihn also noch…
…den Diskurs oberhalb der Gürtellinie! Gesehen in DER SPIEGEL 49/2009.
Mehr dazu auch hier
Wenn man so wie die Leute von Bloghaus in besonderem Maß genug hat von den “Strachezismen” des öffentlichen Dialogs, freut man sich über ein paar Brotkrümel besseren Geschmacks. Die finden sich beispielsweise an manchen Stellen des konfliktreichen Briefwechsels zwischen den Spiegel-Reportern Erich Follath und Henryk M. Broder, in dem die beiden eine Israel-Debatte mit hohem Nährwert ausgetragen haben.
Der Streit sei hier noch einmal eröffnet:
“Lieber Kollege Broder,
zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit haben Sie auf Ihrer Website einen Kommentar von mir mit einem Gegenkommentar gewürdigt. Das ehrt. Erlauben Sie mir aber doch einige Anmerkungen zu Ihren jüngsten Ausführungen. In guter alter Polemiker-Manier unterstellen Sie mir nämlich Behauptungen, die ich nicht gemacht habe, um diese dann krachend zu widerlegen. Und Sie unterschlagen Differenzierungen, die ich vorgenommen habe, um diese dann mit Vehemenz einzufordern [...]”
Preisgekrönter Stiegl-Werbespot
Bloghaus dankt den wackeren Mannen von Projekt X für diesen Beitrag.
Kai Diekmann im Netz
Er ist der am längsten amtierende Chefredakteur der BILD-Zeitung (von 20001 bis heute), Co-Geschätsführer von Bild digital und – verständlicherweise – Intimus von so manchem Angehörigen der deutschen Politprominenz.
Insbesondere die erste Tatsache lässt Diekmanns journalistische Handfestigkeit bereits erahnen: Neun Jahre hat sich vor ihm noch niemand in dieser Position gehalten. Seine relativ “ethosfreie” journalistische Grundhaltung wird ihm ironischerweise selbst auch immer wieder einmal zum peinlichen Verhängnis: Im Jahr 2002 beispielsweise klagte er das Berliner Blatt “die tageszeitung” auf Unterlassung und Schadenersatz, als taz-Autor Gerhard Henschel auf der dortigen Satire-Seite behauptete, dass Diekmann in Miami seinen vorgeblich sehr kleinen Penis mit Hilfe von Leichenteilen operativ vergrößern lassen wollte, wobei die OP jedoch misslang. Das Gericht verfügte zwar eine Unterlassung, lehnte den Anspruch auf Schadenersatz aber mit der Begründung ab, dass Diekmann als Chefredakteur der Bild „bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung Anderer sucht“ und daher „weniger schwer durch die Verletzung seines eigenen Persönlichkeitsrechtes belastet wird“. Er müsse „davon ausgehen, dass diejenigen Maßstäbe, die er anderen gegenüber anlegt, auch für ihn selbst von Belang sind“. Nach diesem salomonischen Urteilsspruch wurde Diekmann im Jahr 2009 schließlich Mitglied der “taz-Genossenschaft”.
Mittlerweile aus ironischem Kalkül und mit souveräner journalistischer Routine unter die Blogger gegangen, versteht es Diekmann dort teils virtuos, seine zahlreiche, zumeist bei deutschen Qualitätsmedien beheimatete Gegnerschaft nach allen Regeln eines Community-Portals dumm aussehen zu lassen. Insider munkeln, dass Diekmanns Blog nur ein weiterer elektronischer Ableger des allgegenwärtigen BILD-Universums sei (was freilich wahrscheinlich ist), aber wie auch immer:
Der Blog ist es allemal wert, in unregelmäßigen Abständen besucht zu werden und ist daher auf Bloghaus dauerhaft verlinkt.
Schade um einen guten Mann
Alfred Hrdlicka (1928-2009)
“Mein Beitrag ist gering, aber meine Unterstützung kommt von Herzen.”
Und zu Mittag ein Fleischi…
…vom Rostbratenbeiried “im Saftsee”.
Rundherum eingeschnitten und auf einer Seite mehliert ins Fettschwitzchen legen. Zwei brutzelnde Minuten auf jeder Seite anbraten, dann das Fleisch herausnehmen. Überschüssiges Fett entfernen, den Bratensatz mit etwas Suppe ablöschen, reduzierend kochen. Zwei bis drei Stücke kalte Butter in die Soße montieren – fertig. Dazu eigentlich nichts außer ein bisschen Salat (also eh nichts).
Mahlzeit!
Heute am AMS
“Das Amt kann nichts dafür, wenn die Leute, die dort vorstellig werden, nicht gut riechen oder scheiße aussehen.”
(Quelle: unbekannt)
Der heutige Besuch am AMS (Währinger Gürtel 104) war von den schlimmsten Vorahnungen geprägt: Unterkühlte Sekretariatsschrapnelle, inkompetente Sachbearbeiter (mit Mundgeruch), organisatorisches Chaos, kahle überheizte Räume, versiffte WC-Anlagen, kilometerlange Stellagen vollgeräumt mit Akten und so weiter. Zugegeben, mit den letzten drei Punkten hatte ich Recht, die anderen Befürchtungen waren jedoch umsonst. Beinahe ärgert es mich, dass ich an dieser gemütlichen Stelle nicht mit fürchterlichem Zorn über die miserablen Zustände an unseren Ämtern wettern kann, aber das wäre eine glatte Lüge: Die Pünktlichkeit, mit der ich an die Reihe kam (ich hatte einen Termin), war geradezu atemberaubend. Der Mann, der meinen Akt bearbeitete war ebenso freundlich und zuvorkommend wie seine Kollegin, die im Übrigen einen bezaubernden Namen ihr eigen nennt:
Nicht dass ich jetzt einem blinden Amtsfanatismus anheim falle, aber in diesem Bereich dürfte sich in den letzten 10 Jahren doch so einiges getan haben (auch wenn sich die Vorfreude auf den Folgetermin durchaus in Grenzen hält.)
Arbeitsmarktservice Wien Währinger Gürtel
Sehr geehrter Herr Mag. H.!
Das Arbeitsmarktservice hat Ihre Meldung zur Arbeitssuche erhalten.
Die von Ihnen bekannt gegebenen Daten haben wir in unserem EDV-System erfasst und Sie als arbeitssuchend vorgemerkt.
Wir sichten für Sie das AMS Stellenangebot und übermitteln Ihnen die für Sie geeigneten Vorschläge. Geben Sie uns bitte innerhalb von 14 Tagen eine Rückmeldung zu diesen Angeboten, insbesondere dann, wenn Sie auf Grund eines dieser Vorschläge oder sonst eine neue Beschäftigung aufnehmen.
Um Ihnen unnötige Wartezeit zu ersparen, bieten wir Ihnen am 03.12. 2009, um 11:00 Uhr einen Termin bei Herrn/Frau Fluch Christian an.
Änderungen Ihrer Daten (zB Name, Adresse, Familienstand, eMailadresse etc.) geben Sie uns bitte so rasch wie möglich bekannt.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Wutzl
Arbeitsmarktservice Wien Währinger Gürtel
Liebeserklärung an Helmut Elsner
Rührend: Ministerin Bandion-Ortner dichtet für den Milliarden-Pleitier
Häfen-Elegie
Da wir uns nun so lange kennen,
Will ich Sie heute Helmut nennen.
Mir egal, ob’s Ihnen passt,
Sie wissen ja: Der längere Ast.
Haben Sie sich schon eingelebt,
In das geförderte Projekt?
Gell, es ist nicht ungepflegt,
Ihr Gitter-Stein-Objekt?
Sitzen Sie auch gut im Kasten?
Angeblich sind die Pritschen hart,
Ich bitt Sie, Helmut, tun’s nicht fasten!
Auf Körperfett ruht es sich zart.
Ich hab’s, ich backe einen Kuchen!
(Freilich ohne Einbauteile.)
Ein guter Grund, Sie zu besuchen,
Und wir schwatzen eine Weile.
So Sie spezielle Wünsche haben,
Lieber Helmut, bitte sagen!
Wollen Sie eine Fußmassage?
Wink genügt, schon kommt ein Page.
Verlangt es eine Pediküre?
(Dreimal klopfen an die Türe.)
Oder wollen Sie auf die Schnelle
In die neue Kuschelzelle?
Geben Sie uns nur Bescheid,
Ihre Ruth hat sicher Zeit.
Helmut, Mensch, sie waren mein Fall
Nach oben bei der jüngsten Wahl!
Ich dank es Ihnen, Gott erhalt’s,
mit ein paar Jahren Zusatzschmalz!
Sie bleiben uns noch lang erhalten,
Darauf vertrau ich maulwurfblind.
Wir werden’s Ihnen so gestalten,
Dass Sie gerne bei uns sind.
Auf den Besuch da freut sich schon,
Ihre Claudschi Bandion
Willkommen übrigens!
Ich hab zwar keine Ahnung, was Sie hier suchen, aber ich freue mich, dass Sie da sind. Viel Vergnügen wünsche ich beim … tja, bei was eigentlich? Na, Sie werden es schon wissen.














