Umdrehen verboten!

Von der beschaulichen Raimundstraße, biegt ein grauer Van links in die ebenso beschauliche Herderstraße ein. Dort ist rechter Hand ein Haus, bei dem Vorsicht geboten ist. Seine Tücke entschleiert sich der Van-Pilotin bei einem Wendemanöver, nachdem ihre Vorderreifen die ersten Pflastersteine der Garageneinfahrt berührt haben. Als wäre dort ein Sensor verborgen, schnellt der Herderstraßen-Hausbesitzer hinter einem akkurat getrimmten Hibiskus-Büschchen hervor.

„Wos moch’n Sie denn do?“, fragt er angriffslustig. „Umdrehen“, antwortet die Frau aus dem Van. „Owa net do.“ Der Mann im blütenweißen Feinripp-Unterziehshirt stützt seine Arme auf einen gemauerten Zaunpfahl, während er zeitgleich versucht, das Kennzeichen des Vans zu entziffern. „I sog Ihna a warum: Mit dem schweren Auto und Ihrer Servolenkung moch’n Sie die ‚Schtruktur’ vom Pflosta kaputt!“, doziert er allen Ernstes. „Entschuldigung“, lenkt die Pilotin ein, „wird nicht wieder vorkommen.“ „Nix da, so einfach kommen’s net davon. I zeig’ Sie natürlich an, damit Sie sich’s merken.“ „Komm’ fahr weiter, lass’ den“, meldet sich erstmals der Beifahrer der Van-Pilotin zu Wort. „Na wenn’s mir blöd kumman, moch’ i die Anzeige mit Vergnügen“, läuft der Mann im Unterhemd heiß und äugt nochmals nach der Autonummer. „Wenn’s dann die Pappn halten, wunderbar!“, droht der Konflikt nun zu eskalieren. Ein beherzter Tritt der Pilotin auf das Gaspedal des Vans befördert die beiden schließlich aus der Gefahrenzone.

Am nächsten Tag ist quer über die Einfahrt eine Kette gespannt, von der ein Schild mit der Aufschrift „Umdrehen verboten!“ baumelt. Hinter der Kette mitten auf dem liebevoll verlegten Pflaster hat ein Hund ein dampfend frisches Andenken hinterlassen. Das Tier wird wohl mit einer Anzeige rechnen müssen.

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