Wie H.C. Strache einen „Aschau Prowokatöhr“ „Heil Hitler!“ oder „Sieg Heil!“ rufen gehört hat

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Liebe Leute, bitte macht mit uns, Eurer Bloghaus-Redaktion, das folgende Gedankenexperiment:

Die Verwandlung
„Sagen wir, wir wachen eines Morgens in der Früh auf und stellen fest, dass wir rechtsextrem geworden sind. Einfach so, über Nacht und ohne Vorankündigung. So wie die bemitleidenswerte Hauptfigur Gregor Samsa aus der berühmten Kafka-Erzählung „Die Verwandlung“ in der Früh aufwacht und feststellt, dass sie sich in einen Käfer verwandelt hat.

Glatze statt Haare
Wir liegen also schlaftrunken im Bett und bemerken, dass in unsere Bettwäsche schwarze Hakenkreuze eingestickt sind. Wir kratzen uns am Kopf und erschrecken über die Tatsache, dass er kahl rasiert ist. Überall in unserem Schafzimmer erinnern kleine Memorabilien an das dritte Reich: Die original SS-Pistole zwischen den Wäschestücken im Kasten, eine blutrote Hakenkreuzfahne an der Wand, ein kleiner Sieg-Heil-Schriftzug auf dem Zahnputzbecher und so fort. Wir müssen uns eingestehen, dass wir eine peinliche Metamorphose vollzogen haben.

Frühstück
Verstörend und rätselhaft zugleich, jetzt ist es aber so. Wir schlüpfen in unseren Bademantel, an dem die Germanische Leistungsrune und ein paar andere Orden klimpern und steigen ohne Socken in die klobigen Militärstiefel.
Unten hat Mutter das Frühstück zubereitet: Es gibt Ovomaltine und eine Kindermilchschnitte. Dazu ein paar Zigaretten. Wir wundern uns kurz über das eigentümliche Menü und dass wir wieder bei den Eltern wohnen, auf der anderen Seite kann uns an diesem verrückten Morgen kaum noch etwas überraschen.

Krisentonikum
Nach dem Frühstück legen wir unseren Tarnanzug an. Der Weg führt uns zum Arbeitsamt, wo wir erfahren, dass es nach wie vor keine Beschäftigung für uns gibt. Wir seien unzuverlässig, aufsässig, und zu gewaltbereit für den Arbeitsmarkt. Außerdem hätten wir praktisch keine Ausbildung genossen, wodurch wir uns folgerichtig für nichts qualifizieren würden. Wir müssen uns eingestehen, dass wir die eine oder andere Sache in unserem Leben schon ein bisschen vergeigt haben. „Na ja, Zeit für ein Bier!“, sagen wir und betrinken uns heftig.

FPÖ – die unwählbarste Partei überhaupt
Am Abend desselben Tages besuchen wir eine Wahlkampf-Veranstaltung der FPÖ. Jetzt wo wir im sogenannten rechten Eck sind, müssen wir uns freilich auch nach einer passenden Partei umsehen.
Wir sehen, wie H.C. Strache das Podium betritt und eine Rede hält: ‚Daham statt Islam‘ sagt er und ‚Abendland in Christenhand‘ und ‚Deutsch statt Nix versteh’n‘ und ‚Ohne Mut keine Werte‘. Irgendwann schwingt er sogar ein Kruzifix, während er über Themen redet, die ihm seine Kollegen aus den anderen Parteien aufgelegt haben.

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In Summe lähmend langweilig und für unsere neue Gesinnung gänzlich unpassend. Wir sind enttäuscht. ‚Der ist keiner von uns!‘, denken wir. ‚Bei dem applaudieren ja die Ausländer!‘ Was er sagt, erscheint uns willkürlich. ‚Er hechelt kurzatmig hinter unseren Stimmen her – genau wie die anderen.‘ Er kommt uns vor wie ein Brandstifter, der sich vor dem Feuer fürchtet. ‚Der wäre bei jeder anderen Partei ebenso gut aufgehoben!‘, denken wir abschließend.
Als er nach der Veranstaltung Autogramme gibt und sich mit unseres gleichen ablichten lässt, was ihm sichtlich nicht ganz angenehm ist, will er plötzlich jemanden in der Menge ‚Heil Hitler!‘ oder ‚Sieg Heil!‘ rufen gehört haben. Wie er dann noch anfängt, von einem ‚Aschau Prowokatöhr‘ daher zu faseln, reicht es uns: Wir verschwinden und lassen diesen Quacksalber einfach stehen. Für uns ist klar: Der Mann ist noch unwählbarer als ein Krautkopf. Er ist eine lächerliche Figur, die von einem Theater herab versucht, uns schöne Augen zu machen. Nach dieser Einsicht gehen wir weg und betrinken uns weiter bis zur Besinnungslosigkeit.“

Aufwachen
Drei, zwo, eins – liebe Leute, Ihr wacht wieder auf! Das Gedankenexperiment ist vorüber. Seid Ihr froh? Wir auch.
Übrigens: Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, hat sich H.C. Strache an diesem Abend selbst rufen gehört. Auch der „Aschau Prowokatöhr“ konnte in der Zwischenzeit ausgeforscht werden: Es handelt sich bei dieser Person wiederum um niemand anderen als um ihn selbst. Die Chancen stehen somit gut, dass Strache – ohne es eigentlich zu wollen – wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz angeklagt und verurteilt wird.

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